Foto: Andreas Endermann

Das Ende des Großmarkts ist ein Eigentor

Kolumne aus der Rheinischen Post vom 3. Juli 2021

In Düsseldorf endet eine Ära. Der Stadtrat hat das Ende des Großmarkts beschlossen. Allen Seiten ist zu bescheinigen: Das hätte nicht sein müssen, und es ist schade, dass es so gekommen ist. Die Aufgabe des Großmarkts passt nicht in die Zeit, da Städte versuchen, nachhaltiger zu werden.

Den Großmarkt gibt es an der Ulmenstraße seit 1936. 1000 Menschen leben von ihm. Die 70 Betriebe des Obst-, Gemüse- und Lebensmittelgroßmarktes sowie des Blumengroßmarktes erzielen einschließlich der Erzeugerbetriebe nach eigenen Angaben einen Jahresumsatz von rund 500 Millionen Euro. Es gibt 4000 eingetragene Kunden. Viele der exquisiten und frischen Waren, die auf den Düsseldorfer Wochenmärkten zu kaufen sind, stammen von dort.

Viele Hallen auf dem Gelände sind schon länger heruntergekommen. Es bestand Einigkeit darüber, dass etwas passieren musste. Der Anfang vom Ende war die Idee, dass die Stadt den Markt an ihre Tochter IDR abgibt. So wurde aus einer Einrichtung der Daseinsvorsorge ein Immobilien-Investment. Die IDR hat nichts zu verschenken, ein Gefeilsche um Mieten und Entschädigungen für den Abriss der Bestandshallen setzte ein. Dass es zum Zerwürfnis kam, liegt zum Großteil an einigen Markthändlern und ihren überzogenen Forderungen.

Kaufmännische Prinzipientreue und die Zurücknahme der Politik auf der einen und Egoismus auf der anderen Seite führen nun zum Ende einer Institution. Die Folgen passen wohl kaum zum Anspruch der schwarz-grünen Ratsmehrheit, Düsseldorf zur Klima-Hauptstadt zu machen. Auf dem Carlsplatz soll es vielleicht „Vertical Farming“ geben und man stellt durch den Wegfall von Verkehr positive Umwelteffekte in Aussicht. Auf dem neuen Metro-Campus sind Gewächshäuser geplant, Architekten entwerfen das Bild einer Stadtgesellschaft, in der an einem Ort Lebensmittel angebaut und verzehrt werden. Schöne neue Welt!

Die Realität sieht im konkreten Fall ganz anders aus. Die Mehrheit des Stadtparlamentes hält den Großmarkt für überflüssig, seinen 4000 Kunden wird der Rat zuteil, sie könnten ja nach Venlo fahren. Ist das die neue regionale Klimapolitik, wo doch andererseits bei der City-Logistik Lieferverkehre am Stadtrand gebündelt und viele Einzelfahrten vermieden werden sollen? Welch ein Eigentor!

Wir haben es aber auch mit Verdrängungseffekten in wachsenden Metropolen zu tun. Der „Bauch von Paris“ lag auch einmal im Herzen der französischen Hauptstadt, heute fahren tausende Kunden, die einst „Les Halles“ ansteuerten, vor die Tore der Stadt nach Rungis, wo neue moderne Hallen entstanden. Die alten Marktflächen in der Stadt wurden neu bebaut.

In Düsseldorf sind nun ebenfalls gute Immobiliengeschäfte zu erwarten. Das Großmarktgelände an der Ulmenstraße ist fast 17 Hektar groß. Zum Vergleich: Der neue Metro-Campus hat 9,2 Hektar, das Grand Central hinter dem Hauptbahnhof 3,4 Hektar, an beiden Orten entstehen mehr als 1000 Wohnungen. Die Metro will ihren Cash & Carry-Markt zur Ulmenstraße verlagern, aber dort entstehen nun ohne Obst- und Gemüse-Großmarkt neue Optionen. Die IDR wollte der Stadt für das Areal 24 Millionen Euro bezahlen, es dürfte bald ein bisschen mehr wert sein.

Quelle: Rheinische Post / Uwe-Jens Ruhnau

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