Foto: Andreas Endermann

Vergibt Düsseldorf die Chance, einen attraktiven Großmarkt zu bauen?

Am Mittwoch gibt es im Rathaus ein Spitzentreffen zum Großmarkt. Dabei geht es vor allem um die Miethöhe. Was fehlt, sind Antworten auf die Frage, was der Großmarkt für Düsseldorf eigentlich sein könnte. 

Der Bau eines neuen Großmarktes ist für Düsseldorf eine Bombensache. Das ist wörtlich zu verstehen, denn das Areal wurde früher von der Firma Rheinmetall genutzt. Ansonsten aber hält sich die Begeisterung derzeit allseits in Grenzen, wenn es um den Neubau eines Großmarktes in der Landeshauptstadt geht. Es gibt fertige Pläne, aber der Streit um die Refinanzierung des Projektes überdeckt eine Würdigung der Chancen. So ist eine fruchtbare Diskussion über die Potenziale eines Großmarktes im Rahmen der Stadtentwicklung nahezu ausgeblieben. Der Großmarkt droht zur vertanen Chance zu werden.

Einen Schuldigen wird man dafür kaum ausmachen können. Der Großmarkt ist halt da, man hat sich an ihn gewöhnt. Ab und zu ist Trödelmarkt, das ist seit Jahrzehnten so, und dann strömen die Düsseldorfer zu Tausenden über das riesige Areal. Fast 17 Hektar ist es groß, und zwischen den Hallen ist so viel Platz, weil früher die Züge aus Spanien und Italien einfuhren und vor den Toren ihre südländischen Köstlichkeiten abluden. Das hört sich so romantisch an wie der Ursprung des Großmarkts an dieser Stelle selbst, denn ihn gibt es dort seit 1936, als der Bauernmarkt für „en gros“ und „en detail“ vom Rheinufer an der Oberkasseler Brücke zur Ulmenstraße zog.

Konsequent hat man Hallen und Wege genutzt, ohne sie vernünftig instand zu halten. Oberbürgermeister Joachim Erwin erwog nach der Jahrtausendwende, dort den Dome zu bauen und die Händler zur Theodorstraße zu verfrachten. Das hätten sie wegen der guten Autobahnanschlüsse sogar gut gefunden. Dies zerschlug sich jedoch. Nachfolger Dirk Elbers ließ der Großmarkt kalt, erst bei Thomas Geisel fanden die Händler mit ihrem Wunsch Gehör, dass sich etwas an dem maroden Zustand des Marktes ändern müsse.

Wie angesichts der hohen Grundstückspreise und des Investitionsdrucks in Düsseldorf üblich, haben sich die Überlegungen verkürzt. Es geht nicht um die Frage, was ein Großmarkt für die wachsende Stadt mit seiner besonderen Urbanität sein könnte. Gibt es etwa die Möglichkeit, zur Ulmenstraße eine Markthalle einzuplanen, so wie es in Berlin dezentral eine Halle 9 gibt, zugänglich für die Allgemeinheit? Ein Anziehungspunkt für weit mehr als Unterrath? Nein, heute geht es um die Frage, wie hoch die Miete für die Hallen ist, und ob die Händler, die einen sehr unterschiedlichen Organisationsgrad haben, überhaupt ein seriöser Partner für die Stadt sein können. Mancher Händler hat sich tatsächlich als Krämerseele erwiesen und Perfektion im Geschacher um mögliche Entschädigungen entwickelt. Der Spaßfaktor hat auch auf Seiten von Stadt und IDR ziemlich gelitten.

Größter Knackpunkt ist die Miete: Die Stadttochter Industrieterrains Düsseldorf-Reisholz (IDR) ist Profi für den Bau und Betrieb von Gewerbeobjekten. Geisel hat ihr den Auftrag gegeben, die Pläne mit den Händlern zu entwickeln. Es bleibt zwar bei der Miete von 9,50 Euro pro Quadratmeter, aber die IDR will im Gegensatz zum heutigen Vermieter Stadt nicht nur Lager-, sondern Präsentationsflächen der Waren bei der Mietkalkulation berechnen. „Ich kann schließlich nicht eine halbe Halle vermieten und eine ganze bauen“, sagt dazu Ekkehard Vincon, IDR-Vorstand. Auch andere Kosten will die Stadttochter, die das Areal kaufen soll, in Rechnung stellen, so etwa die Müllentsorgungskosten in Höhe von 1,8 MiIlionen Euro im Jahr. Diese zahle im Augenblick die Stadt.

Die Händler befürchten unter dem Strich eine doppelt so hohe finanzielle Belastung und haben sich bereits auf die Hinterbeine gestellt. Ein kleiner Mietnachlass scheint möglich, wenn die Stadt beim Verkauf des Geländes an die IDR für den Großmarktteil weniger verlangt als für den ebenfalls geplanten Büroanteil. Ob dies ausreicht, ist schwer vorauszusagen. Zudem verweist Vincon bei der Miete darauf, dass die Halle teurer ist als andere Gewerbehallen. Die marktüblichen und von den Händlern ins Feld geführten 4,50 bis sieben Euro pro Quadratmeter seien illusorisch, weil die Händler eine modulartig aufgebaute Spezialimmobilie forderten: mit vielen Toren und zahlreichen Wasser- und Stromanschlüssen.

Die IDR kalkuliert das Gesamtprojekt Großmarktneubau mit vier neuen Hallen auf 50 Millionen Euro, knapp die Hälfte entfällt auf den Grundstückserwerb. In der Stadtkasse landen aber nicht 24 Millionen Euro, sondern nur rund die Hälfte. Denn was alles im Boden liegt, weiß kein Mensch genau, und wenn die heutigen Hallen abgerissen sind, muss erst einmal Tabularasa gemacht werden. Auf rund zwölf Millionen Euro wird die Sanierung des Bodens geschätzt.

Statt nun aber noch einmal nachzudenken, haben sich alle Seiten unter Zeitdruck gesetzt. Der Stadtrat hat das Gelände im Juli entwidmet, für den Bereich des Obst- und Gemüsemarktes gibt es nur bis zum Jahresende sichere Mietverhältnisse; beim Blumenmarkt läuft der Vertrag bis Ende 2024. Geisel, der sich gleich nach seiner Wahl 2014 mit dem Großmarkt beschäftigte, will nun eine Entscheidung. Die Grünen haben den Verkauf des Areals an die IDR in der gleichen Ratssitzung gestoppt, um Zeit und Klarheit zu gewinnen. Ob es was bringt, ist fraglich.

Quelle: Rheinische Post / Uwe-Jens Ruhnau

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